Seit geraumer Zeit wird der Wienerwald als „Biosphärenpark“ bezeichnet. Dabei wird der Bevölkerung vielerorts erklärt, dass es sich bei diesem Namenszug um eine Bezeichnung der UNESCO handelt und weltweit den Schutz von Lebensräumen sichert. Diese Aussage ist falsch. Richtig ist, dass der Name „Biosphärenpark Wienerwald“ eine Wortschöpfung couragierter Österreicher ist und der gegen den Ausverkauf und zum Schutz des bekannten Wienerwaldes beim Österreichischen Patentamt am 3.12.2002 angemeldet wurde. Die UNESCO selbst verwendet für Projekte dieser Art den Begriff „biosphere reserve“, eine Bezeichnung die üblicherweise als „Biosphärenreservat“ übersetzt wird und zwingende Umweltschutzmaßnahmen beinhaltet. Der Begriff „Park“ wird von der UNESCO niemals verwendet, da diese Bezeichnung falsche Vorstellungen vermittelt. Diese Tatsache hat die Verantwortlichen der Länder Wien und Niederösterreich jedoch nicht davon abgehalten, den bereits patentrechtlich eingetragenen Namen für ihre Zwecke zu verwenden. Es wird daher mittels einer Chronologie diese „Geschichte aus dem Wienerwald“ wiedergegeben.
Chronologie einer ökologischen Tragödie
Am 1. Juli des Jahres 2005 wurde über die Medien landesweit verlautbart, dass der Wienerwald - ein Landschaftsschutzgebiet im Westen der Österreichischen Bundeshauptstadt Wien - in der Größenordnung von etwa 105.000 Hektar, zum „Biosphärenpark“ erklärt wurde – mit „wohlwollender“ Zustimmung der UNESCO. Ein Akt, der vordergründig nur Gutes denken lässt. Einerseits die Nennung UNESCO, weltweit als „Hüterin“ unseres Natur- und Kulturerbes in aller Munde, andererseits die Namensbezeichnung „Biosphärenpark“ die schon vom Klang her Harmonie und unendlichen Freizeitspaß vermittelt. Da müsste man eigentlich glauben, dass alles in bester Ordnung ist. Sollte man glauben; doch was war wirklich geschehen?
... eigentlich begann alles im Jahre 2002. Irgendjemanden war damals eingefallen, dass der ehemalige deutsche Kaiser Heinrich der II. einem seiner Lehenritter, dem namensgleichen Babenberger Markgrafen Heinrich den I., ein Gebiet irgendwo zwischen dem Triesting-Fluss und dem Liesing-Bach überlassen hat. Wie gesagt, das Ganze geschah im Jahre 1002, wie eine alte Urkunde es uns überliefert. Und da dieses Stück Pergament eben 1000 Jahre alt war, sprach man von 1000 Jahre Wienerwald und nannte das Jahr 2002 eben Millenniumsjahr. Grund genug, im gesamten Gebiet ordentlich zu feiern – wenn auch aus einem imaginären Anlass – da der Wienerwald natürlich bedeutend älter ist.
Aber einige österreichische Politiker wollten die Sache werbewirksam vermarkten und als rechte Bewahrer der ungeschützten Natur auftreten; zu lange gab es nämlich schon Auseinandersetzungen mit einigen vorausschauenden Umweltschützern und uneigennützigen Wissenschaftern, die vor Zersiedelung, Umweltschäden und den Ausverkauf der Natur-Ressourcen warnten. Und diese brandheißen Diskussionen waren nicht unbegründet! Denn obwohl viele der Wald- und Wiesenflächen des Wienerwaldes als unersetzliche Wasserschutz-, Vogelschutz-, Landschaftsschutz- oder Naturschutzgebiete ausgewiesen sind, hielt sich kaum wer an irgendwelche Schutzbestimmungen – und das seit Generationen. Wie lange das schon so ging, weiß niemand ganz genau? Aber an Hand von Dokumenten, Travestien, Überlieferungen und historischen Fakten lässt sich folgende Chronologie letztendlich zusammenfassen: ... man schrieb das Jahr 1848:
Nach der blutigen Niederschlagung der völkischen Aufstände in Österreich und Ungarn sowie den familieninternen Querelen zwischen Erzherzog Maximilan und seinem Bruder Kaiser Franz Joseph, geriet Österreich in einen unaufhaltsamen Auflösungsprozess der schließlich durch macht- und geltungssüchtige, menschenverachtende Kriegshandlungen (1849 Novara, 1859 Magenta und Solferino) und nationalen Fehlentscheidungen in eine langfristige Finanzkrise steuerte. Das führte dazu, dass das damalige Finanzministerium unter Max Freiherr von Beck daran ging Steuern, Gebühren und Abgaben drastisch zu erhöhen und schlussendlich einigen wirtschaftsunfähigen Politikern die irrwitzige Idee kam, 1863 das unbewegliche Staatsvermögen wie Wald, Wiesen, Gewässer, Forstgebiete und ähnliche Werte zu veräußern. Ein Ausverkauf, der sich in unserer Generation noch einmal wiederholen sollte! Noch im gleichen Jahr wurden große Waldgebiete an einen Holzhändler, namens Löwy um 750.000 Gulden verkauft. Löwy wiederum verkaufte das Gebiet – nachdem er genug Holz herausgeschlagen hatte – an ein ausländisches Konsortium (verantwortliche Namen wie Götz und Andrée werden genannt) um angeblich eine Million Gulden. Diese Genossenschaft schlägerte gewinnorientiert bis in die entlegensten Winkeln und verkauften das ausgeräumte Gebiet wieder an die Forst-AG – diesmal um veranschlagte drei Millionen Gulden. Diese Aktiengesellschaft verkaufte nun weiter an all jene, die bereit waren, ihre Finanzvorstellungen zu erfüllen – egal wie danach die Landschaft auch aussah. Eine Taktik, die uns irgendwie bekannt vorkommt, den seit 1. Jänner 1997 wurde nämlich ohne viel Aufsehens auch aus den Österreichischen Bundesforsten eine AG mit kaufmännischen Grundsätzen. Namen von gewissenlosen Händlern wie Siemundt, Kirchmeyer oder der Bauunternehmer Stroußberg jagen Insider noch heute den Schweiß auf die Stirn. Ich nehme an, es erübrigt sich darauf hinzuweisen, welche horrenden Summen damals von den Erlösen des Volkseigentums zu den Privathändlern flossen – während die Bevölkerung zwischen Arbeitslosigkeit und wirtschaftsvernichtender Steuerschraube wählen durfte. Um diese Verkäufe auch einigermaßen gesetzeskonform durchführen zu können wurde ganz legal und vorschriftsmäßig ein „Staatsgüter – Verschleißbüro“ unter der Leitung eines Mannes namens Dr. Gobbi gegründet. Im Volksmund wurde es „Verschleuderungsbüro“ genannt. Übrigens ähnlich einer Bundesforst-AG nach heutigen Gesichtspunkten, wie viele meinen. 1866 mehrten sich erstmals in den versteckt gelegenen Waldfluren des Wienerwaldes umfangreiche Holzschlägerungen, meist noch unbemerkt von der Öffentlichkeit. Versteckt darum, weil die Politiker den Unmut der Randbevölkerung von Wien und die vielen Bewohner selbst fürchteten. Dass sie ihre gewinnorientierten Verkäufe einigermaßen rechtfertigen können, bedienten sich die damaligen Behördenvertreter selbstverständlich auch der einstigen Zeitungsherausgeber. In den auflagenstärksten Druckblättern und Illustrierten wurde den Lesern ungeniert die Notwendigkeit der Grundverkäufe vorgegaukelt, meist mit dem belehrenden Hinweis, dass nur durch die Veräußerungen finanzielle Schäden abgewendet werden können. Ab 1867 mehrten sich die Abholzungen im Wienerwald. Entlang der Forstwege stapelten sich reihenweise die Bloche von Buchenscheitern. Für das Jahr 1867 wurden 8000 Klafter (Klafter = 6,82 m³) ausgewiesen, ein Jahr später, 1868 kamen 13 000 Klafter dazu. Allesamt also etwa 21000 Klafter oder weit mehr als 143.000 Kubikmeter. Zurück blieben einzelne Bäume inmitten eines Kahlschlages – zur natürlichen Wiederaufforstung – wie die Förster, von oberster Stelle angeordnet, zu sagen hatten (und heute wieder praktizieren).
Einer der Hauptverantwortlichen war damals Finanzminister Dr. Rudolf Brestel (16.05.1816 – 03.03.1881), ein Politiker, dem fast jedes Mittel recht war, um das selbstverschuldete Staatsbudget zu sanieren. Während Brestl sich gern in der Öffentlichkeit als Lebemann und Schönling präsentierte, außerdem Mitglied des Reichsrat war, kümmerte es ihn überhaupt nicht, wie weit der Wald- und Wiesengürtel rund um Wien geschädigt wurde. 1870 ließ er – da von der breiten Bevölkerungsschicht noch kein besonderer Widerstand kam – weitere 750.000 Klafter einschlagen und weitere 5.400 Joch in „abseits“ gelegenen Forsten verkaufen. Das sind rund 34.000 Quadratmeter. Denkt man an die Wald- und Wiesenflächen – die ebenfalls zur Budgetsanierung in unserer Zeit verkauft wurden - geradezu eine Lächerlichkeit zur heutigen Landverluderung und den Umwidmungen. Den k.k. Forstleuten von einst wurde per Weisung natürlich auch ein Redeverbot angeordnet. Die Presse schwieg ohnedies profitorientiert – sie wollte sich die Einnahmen von den Werbeeinschaltungen der Industrie und des Handels schon damals nicht entgehen lassen. Die umgewidmeten Naturflächen sollten von korrupten Beamten später parzelliert werden. Moriz Hirschl – ein Wirtschaftsspekulant der übelsten Sorte - wird dabei als einer dieser Hauptnutznießer samt einigen anderen Grundstückspekulanten genannt. Die Gemeinde Wien verhielt sich gegenüber dem Ausverkauf von Staatseigentum eher gleichgültig. Das Hauptgebiet des Wienerwaldes lag schon damals im heutigen Niederösterreich Dieser Ausverkauf der Österreichischen Landschaft rief einen couragierten Bewohner des Wienerwaldes auf den Plan. Sein Name: Joseph Schöffel
(1832 – 1910) In einer bis dahin noch nie da gewesenen Kampagne nahm der ehemalige k.k. Offizier, Landtagsabgeordneter und spätere Bürgermeister von Mödling Joseph Schöffel von 1870 – 1872 einen publizistischen Kampf auf, der zur damaligen Zeit geradezu undenkbar war und den Beginn einer neuen Ära einleiten sollte. Wenngleich auch Schöffel gegen korrupte Politiker und Umweltspekulanten auftrat, so hatte er doch einen geradezu unbeschreiblichen Vorteil gegenüber heutigen Zeiten: Er agierte in einer Welt, die noch nicht reizüberflutet war, dadurch bedeutend mehr Aufmerksamkeit hervorrief und in einer Gesellschaft, die trotz Korruptions-Gelüsten und Machtgehabe auch eine relativ hohe Hemmschwelle bei der Umsetzung ihrer Taten hatten. Eine weitere tatkräftige Hilfe wurde ihm durch den Journalisten Ferdinand Kürnberger und Josef Klemm, einem Gemeinderat aus Wien, zu teil. Während Kürnberger seine Kontakte zur Presse nochmals ausreizte, brachte Klemm im Wiener Gemeinderat einen Dringlichkeitsantrag zur Einstellung der Verkäufe im Wienerwald ein. Damit begann die Auseinandersetzung zwischen engagierten Bürgertum und Behördenwillkür in die erste Runde zu gehen: Viele Freunde warnten ihn noch eindringlich vor seinem geplanten publizistischen Kampf gegen die österreichische Mafia, wie sie die honorigen Herren nannten. An eine Verhinderung des Ausverkaufs von österreichischen Boden und Industrieanlagen glaubte ohnedies niemand mehr.
Am 20. April 1870 schrieb Joseph Schöffel im „Wiener Tagblatt“ unter dem Chefredakteur Moritz Szebs sinngemäß: „...dieser Teil von Österreich soll nun stückweise an Spekulanten verkauft und verwüstet werden, votiert von jenen Politikern, die ohne Bedenken das ihnen anvertraute Vermögen des Volkes, für ihre eigenen Interessen verwenden ...“ Zu den Redakteuren orakelte er: „Man wird uns vorgaukeln, dass von einem Verkauf des Wienerwaldes keine Rede sei und man bloß einzelne isolierte Flächen verkaufen will. Dem werden wir aber entgegnen, dass das nicht stimmt und ihnen dafür unsere Beweise vorlegen ...“ Dabei forderte er die interessierten Leser auf, einmal einen Ausflug in die nahen Waldungen zu unternehmen, um sich ein Bild über die entstandenen Schäden an Waldfluren und den großen Holzschlägerungen zu machen (... eine Situation, die übrigens an Aktualität keineswegs verloren hat – ganz im Gegenteil ...). Bei dieser Gelegenheit nannte er auch die Beamten Tschuppik und Deimel, deren einziges Anliegen es war, Profit zu machen und nicht auf die einzigartige „Grüne Lunge“ Wiens zu achten. Pro Woche folgten nun zwei weitere Artikel, in welchen er die Ausführungen der obersten Forstverwaltung rücksichtslos kritisierte und auf die verhängnisvollen Folgen hinwies, welche diese Verkäufe und Schlägerungen nach sich ziehen. Er schilderte Details, die vorher niemand kannte, er wies auf Machenschaften, die hinter vorgehaltener Hand als neuen Typus des Missbrauchs der Amtsgewalt gehandelt wurden und er forderte die Bevölkerung auf, endlich tätig zu werden und dem Wahnsinn der Umweltzerstörung Einhalt zu bieten. Unerwartete Unterstützung bekam Schöffel zu dieser Zeit durch den Wiener Gemeinderat. Dieser berief eine gemischte Kommission von Gemeinderatsmitgliedern und Sachverständigen ein, welche den Wienerwald bereiste, an Ort und Stelle den Tatbestand aufnahm und über das Ergebnis Bericht erstattete. Fürst Colleredo-Mansfeld, sowie anerkannte Forstexperten veranstalteten Wanderversammlungen und sprachen sich eindeutig gegen die entstandenen Schäden im Wald- und Wiesengürtel aus. Jetzt reagierten erstmals die vom Staat eingesetzten Beamten und die Funktionäre der damit betrauten Stellen. In mehreren Anschuldigungswellen wurde Joseph Schöffel wegen Ehrenbeleidigung, Verleumdung und Aufhetzung gegen die Staatsgewalt angeklagt. Vom Untersuchungsrichter Landesgerichtsrat Dr. Fischer zwar mehrfach einvernommen, entging Schöffel jedoch jedes Mal einer Schlussverhandlung, da sowohl die Privatkläger als auch die Staatsanwaltschaft ihre Klagen jedes Mal zurückzogen. Manche Zungen behaupteten, dass es eine gewisse Freundschaft zwischen dem Untersuchungsrichter und Schöffel gab, da dieser die ehrliche und hehre Absicht Schöffels verstand, schätzte und ihn gegenüber der Politwillkür schützen wollte. Finanzminister a. D. Brestl entblößte sich sogar, Schöffel als laienhaften Nichtakademiker zu bezeichnen, der ausschließlich vom Zeilenhonorar leben muss. Diese Erklärung rief einen Sturm der Entrüstung herbei und veranlasste Schöffel einen „Offenen Brief“ an Se. Exzellenz den Landtagsabgeordneten Dr. Brestl zu verfassen, in dem er ihm seine moralischen und charakterlichen Verfehlungen Punkt für Punkt auflistete und erstmals die „Staatsgüterverschleuderungsaktion“ im Detail anspricht. Dabei nennt er die Dinge beim Namen und bringt wiederholt Beweise für die Teilveräußerungen des Wienerwaldes an Spekulanten und Aktiengesellschaften. Und er konfrontiert Dr.Brestl mit dessen niederträchtigen Willkürtaten gegenüber kritischen Untergebenen, er wirft ihm wirtschaftlichen und menschlichen Unverstand vor und bezeichnet ihn schlichtweg als selbstgefälligen Politiker. In einer Serie von Artikel unter den Titeln „Wienerwaldgeschichten“ und „Portofreie Briefe aus dem Wienerwald“ veröffentlichte Joseph Schöffel weiterhin die Handlungen jener Beamter, die im Hintergrund die Fäden zogen. Namen wie Rosenfeld, Gobbi, Neuwall, Kurz, Deimel, Tschuppik, Kirchmeyer-Siemundt und Hirschl wurden hier genannt. Unterstützt wurde Schöffel durch Ferdinand Kürnberger, der mittels Kurzgeschichten („Dieb-sein währt am längsten“ oder „Was der Kahlschlag erzählt“) ebenfalls gegen die verschleierten Manipulationen der Regierung vorging. Schöffel hoffte zu diesem Zeitpunkt noch immer, dass die Regierungsstellen an einer Durchleuchtung der Vorfälle interessiert seien und schickte naiv Artikel für Artikel an das „Tagblatt“ in der Hoffnung, einen medialen Verbündeten zu haben. Das „Tagblatt“ brachte diese Artikel jedoch nicht mehr im Hauptteil, sondern in der Beilage. Nachgefragt erfuhr er, dass an dieser Sache das Interesse ohnedies erloschen sei. In einem zweiten „Offenen Brief“, diesmal an den Statthalter von Niederösterreich, - vergleichbar mit dem heutigen Landeshauptmann – fordert er diesen im übertragenen Sinn - zu mehr Redlichkeit und ihm – dem Joseph Schöffel als Aufdecker – nicht als Verleumder hinzustellen und wenn doch, dann die Causa doch endlich vor Gericht abhandeln zu lassen. Kurze Zeit später – es geschah unmittelbar nach einem Bestechungsversuch mit einer Gesamtsumme von 50.000 Gulden – wurde Schöffel nächtens durch den Forstwart Sladek vom Wassergspreng aufgesucht, wobei ihm dieser aufgeregt mitteilte, Zeuge eines Gesprächs gewesen zu sein, dessen Inhalt den Unfalltod Schöffels beinhaltete. Wobei der Tod als Jagdunfall geschehen sollte und der „Unglücksschütze“ noch mit persönlichen Vorteilen bedacht werden würde. Schöffel verzichtete in Folge auf die vielen Jagdeinladungen, die ihn zu dieser Zeit erreichten. Vom „Tagblatt“ ebenfalls im Stich gelassen, versuchte er über die neu gegründete „Deutsche Zeitung“ Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben – vergebens! Wenn gleich später einige Publizierungen gelangen, die Angst vor der Obrigkeit war bei den Zeitungsmachern allgegenwärtig. Immerhin ließ die Justiz Zeitungen konfiszieren, die sich für die Umwelt im Sinne Joseph Schöffels einsetzten. Zu all der Ungerechtigkeit gesellte sich am 5. Februar 1871, die Nachricht von der Einstellung der gerichtlichen Untersuchung gegen die des Missbrauchs beschuldigten Beamten, durch das Wiener Landesgericht. Ein weiterer Willkürakt der Behörde, da der amtshandelnde Untersuchungsrichter jeden Zeugen den er vernahm, dermaßen einschüchterte, dass sich diese jede Äußerung über ihre Erkenntnisse enthielten. Damit hob er gleichsam die beschuldigten Beamten in den Engelsstand, frei von jeder Schuld. Damit war der juristische Weg frei zum Gegenangriff um den Aufdecker der moralischen und rechtlichen Behördenverfehlungen zum Schweigen zu bringen. Am 20. März des Jahres 1872 kam es vor dem Schwurgericht zum politisch arrangierten Gegenschlag. Ankläger war Oberlandesgerichtsrat Schmeidel, Gerichtspräsident war der ehemalige Landesgerichtsrat Dr.Schwaiger – alle tief verwurzelt mit der damaligen Wirtschaftslobby. Joseph Schöffels Verteidiger war Dr. Karl Hoffer – dessen Ansuchen zur Vorlegung von Originalurkunden zwar anfangs abgelehnt wurde, nach Intervention Schöffels aber doch zugelassen wurde - und Entscheidungsträger für einen Freispruch durch die Geschworenen war. Der Behörde gelang es noch herauszufinden, wer Joseph Schöffel die Unterlagen zukommen ließ und man entließ den armen Mann; sr. kaiserliche Hoheit Erzherzog Albrecht – der die Causa distanziert beobachtete - veranlasste jedoch dessen Wiedereinsetzung in den Staatsdienst. Die eigentlichen Drahtzieher des Skandals ließ man allerdings vorerst ungeschoren, in der Hoffnung, bei nächster Gelegenheit, die geplanten Verkäufe erneut anzukurbeln! Ein Schurkenstreich, den Schöffel sofort erkannte und nun vehement die Verurteilung der Wienerwaldzerstörer forderte. Eine Forderung, die nicht nur legitim war, sondern sukzessive auch umgesetzt wurde: Kirchmeyer, der Beamte aus dem „Wienerwald-Verkaufsbüro“ kam hinter Gitter, Siemundt sein Kompagnon flüchtete nach Amerika und entkam so der irdischen Gerechtigkeit. Beamte mittlerer Gehaltsstufen versetzte man in den „nicht verdienten“ Ruhestand, der Rest verlor sich ins geschichtliche Nirwana. So endete der erste „staatlich gesteuerte“ Versuch, aus den weitläufigen teils unberührten Wiesen und Wäldern, die den Menschen des Landes gehören, verkaufsfähige Immobilien abzuzweigen. Schon kurze Zeit darauf wurde Joseph Schöffel Ehrenbürger nahezu aller Wienerwaldgemeinden, Strassen wurden nach ihm benannt und in Purkersdorf wurde auf einer Anhöhe ein Obelisk errichtet, dessen Inschrift an den Einsatz zur Rettung des Wienerwaldes erinnern sollte. Im Nachhinein verkündete schmierig und scheinheilig die „Neue Freie Presse“ (jene Zeitung, die einst als Sprachrohr den meineidigen und heuchlerischen Politikern diente) sinngemäß: „Möge es einmal im niederösterreichischen Landtage gelingen, ein Gesetz zu verabschieden, dass den Schutz und den Erhalt des Wienerwaldes für immer und ewig verbürgt“. Der Korrektheit halber - und weil es auch hier unglaubliche Parallelen zur Jetztzeit gibt - sei noch hinzugefügt, dass sich schon zu Schöffels Zeiten geltungssüchtige Zeitgenossen fanden, die sich nach gewonnener Couragiertheit in den Vordergrund zwängten, um sich als „wahre“ Beschützer des Wienerwaldes feiern zu lassen; Schöffel korrigierte zwar öffentlich, verzieh ihnen jedoch ihre Charakterschwäche. Das war Ende des Jahres 1872 . Es folgten Jahrzehnte relativer Ruhe; es war die Zeit in der der Erholungswald auch seinen Namen zu Recht führte. Der gerettete Wienerwald wurde zur viel bestaunten Landschaft und liebgewonnenen Ausflugsziel breiter Bevölkerungsschichten. Aussichtswarten und Landgasthäuser entstanden entlang der Wanderrouten und wer immer es sich einrichten konnte, verbrachte seine Freizeit in den noch unberührten Waldpartien. Als dann noch der Kaiser Franz Joseph I. die Gegend um Baden als Sommerfrische wählte, folgte auch die „feine“ Gesellschaft dem Entschluss des Monarchen und übersiedelte während der warmen Jahreszeit in die ländliche Idylle unberührter Natur. 1892 wurde gegen die wachsende Industrialisierung und der daraus resultierenden Luftverschmutzung in der Stadt sogar ein „Generalregulierungsplan“ entworfen und im Jahre 1904 noch zusätzlich durch einen Erlass des damaligen Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger gefestigt. Den endgültigen Erhalt des „Wald- und Wiesengürtel“ beschloss der Wiener Gemeinderat 1905 einstimmig. Einzig der erste Weltkrieg von 1914 – 1918 störte die Ruhe dieser einzigartigen Landschaft, wenngleich die Kriegshandlungen weit entfernt wüteten, so waren die Folgen durchaus auch hier spürbar. Holzsammler zogen durch die Randgebiete des Waldes und versuchten ihr Überleben im wahrsten Sinne des Wortes. Diese naturnahe „Bewirtschaftung“ schadete keinesfalls. Mag sein, dass dabei auch so manche Baumgruppe jungholzig aus den Wald gebracht wurde, doch insgesamt hatte der Wald noch genug Kraft, um die entstandenen Wunden schnell wieder zu schließen. Mit dem Jahr 1925 begann für den Wienerwald ein neuer Lebensabschnitt, wenn auch nicht der gesündeste. Fortsetzung folgt ...
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